Wenn man an 3D-Animationssoftware denkt, fallen einem wohl am ehesten die astronomischen Preise ein, die man für die meisten Programme hinblättern muss. Auf dem hart umkämpften Markt scheint sich alles um 3D-Studio, Lightwave, Cinema4D oder Maya zu drehen. Auch wenn es für die meisten Programme bereits Einsteigerversionen mit eingeschränktem Funktionsumfang gibt, so muss man für die vollen Leistungsmerkmale schon ein paar tausend Euro hinblättern.

Erstaunlicherweise gibt es jedoch auch Programme, die entweder sehr günstig sind, oder sogar überhaupt nichts kosten, deren Einsatz sich jedoch lohnt.

Caligari Truespace

Dieses Programm wurde früher für stolze 600 Dollar verkauft. Nach der Übernahme durch Microsoft wurde das Programm jedoch zum kostenlosen Download freigegeben. Das Programm war als Ergänzung zu Microsofts VirtualEarth gedacht und steht somit in direkter Konkurrenz zu Googles Sketchup. Allerings ist Truespace ein waschechtes 3D-Konstruktionsprogramm mit Renderfunktionen.

Die Benutzeroberfläche ist sehr bunt gehalten, ist aber sehr zweckmässig organisiert. Neben den einfachen Funktionen zum konstruieren von 3D-Objekten beherrscht Truespace auch organisches Modellieren über Nurbs und Metaballs. Auch das riggen von 3D-Figuren ist mit Truespace kein Problem. Charaktere können per BVH-Dateien animiert werden und reagieren auf Wunsch auch auf physikalische Einflüsse.

Neben einer DirectX-Renderengine, die in Echtzeit die Szenen simuliert, steht auch der Lightworks-Renderer bereit, mit dem realistische Lichtsituationen, inklusive Caustics und Radiosity berechnet werden können.

Auch bei der Animation weiß das Programm zu punkten. Man kann Objekte per Keyframes animieren. Allerdings stehen auch gescriptete Animationen und physikalische Simulationen zur Verfügung, sodass auch fallende Objekte und Motorenfunktionen realisiert werden können.

Leider wird das Programm seit 2008 nicht mehr weiterentwickelt. Für ein kostenloses Programm ist es jedoch erstaunlich leistungsfähig.

Download der Version 7.6 unter www.caligari.com

Blender

Das wohl bekannteste, kostenlose, 3D-Programm dürfte Blender sein, das von vornherein als Alternative zu den teuren Programmen konzipiert wurde. Trotz seiner OpenSource-Herkunft wartet das Programm mit zahlreichen Funktionen auf, die oft auch bei kommerziellen Programmen erst noch hinzugekauft werden müssen. Als Beispiel sei hier eine Flüssigkeitssimulation genannt.

Die Bedienung von Blender ist nicht jedermanns Sache. Mit den vielen Funktionen und Einstellmöglichkeiten ist das Programm leider ein wenig unübersichtlich geworden. Hier lohnt sich der Blick in die Tutorial-Filme um den Zugang dieses leistungsfähigen Programms zu finden. Hat man sich jedoch erst einmal in das Programm eingearbeitet, stehen zahlreiche Funktionen zur Verfügung.

Das Interface ist anpassbar und kann für verschiedene Aufgaben unterschiedlich konfiguriert werden. Jedes Fenster lässt sich verschieben, mit einer anderen Funktion versehen oder mit anderen Fenstern zu verbinden. Beim Modelling stehen nicht nur Nurbs, B-Splinemodelling oder Metaballs zur Verfügung, sondern auch das direkte skulpten auf vorhandenen Objekten, ähnlich wie man es von Programmen wie zBrush oder Mudbox kennt.

Figuren lassen sich mit verschiedenen Tools mit Skeletten versehen und mit Weightmaps konfigurieren. Dank B-Spline interpolierter Knochen sollen sogar unerwünschte Ellbogenknicke vermieden werden. Komplexe Meshes können per Volumendeformer manipuliert werden.

Auch bei den Animationsfähigkeiten muss sich Blender nicht verstecken. Neben reiner Keyframeanimation beherrscht das Programm auch inverse oder forward-Kinematik. Mithilfe von Vertexanimationen und entsprechenden Reglern lassen sich beispielsweise Gesichter animieren. Ausserdem gibt es einen Charakter Animator, mit dem Figuren in beliebige Posen gebracht werden können. Eine Physics-Engine ermöglicht wiederum die Simulation von physikalischen Eigenschaften für Partikel und Haare und Flüssigkeiten.

Als besonderer Clou ist noch die Entwicklungsumgebung für Spiele zu nennen, mit der man Objekte und Szenerien für Computergames entwickeln kann. Darin enthalten ist auch eine Echtzeit-Physikengine mit der man das korrekte Verhalten von Objekten simuliert.

Das Programm ist in Englisch, es gibt aber eine große deutschsprachige Blender-Gemeinde, die Hilfen für dieses umfangreiche Programm anbietet.  Inzwischen gibt es einige, komplett mit Blender entstandene, Filme im Internet verfügbar, die auf beeindruckende Weise demonstrieren, zu was dieses kostenlose Tool in der Lage ist.

Der Download der aktuellen Version ist direkt über die Website www.blender.org möglich.

Hervorragende, deutschsprachige Tutorials finden Sie hier: http://www.youtube.com/user/AgenZasBrothers

Hier ein Link zu dem inzwischen dritten komplett in Blender erstellten Kurzfilm „Sintel“. Mit dem CC Knopf (für ClosedCaption=Untertitel) lassen sich deutsche Untertitel einblenden. Beachten Sie, dass das hier eingebettete Video verkleinert ist. Das Video ist jedoch auch im HD-Format abspielbar.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=HomAZcKm3Jo[/youtube]

 

Sculptris

Wer bisher vor dem Preis von knapp 600 Dollar für zBrush zurückschreckt kann nun aufatmen. Aus demselben Haus Pixologic kommt eine kostenlose Software, die wie eine abgespeckte Version von zBrush wirkt, dabei aber mit einer erfrischend übersichtlichen Benutzeroberfläche daherkommt. Tomas Petterson, der Erfinder des Programms, entwickelte Sculptris in seiner Freizeit als Hobbyprojekt und wurde 2010 von Pixologic eingestellt. Sein „Baby“ Sculptris wird nun auf der Website weiterhin zum kostenlosen Download angeboten.

Wie bei zBrush handelt es sich um eine Art digitalen Wachsklumpen, den man mit verschiedenen Werkzeugen formen und texturieren kann. Es hat zwar nicht denselben Funktionsumfang wie zBrush, wartet jedoch mit einigen interessanten Details auf. So zum Beispiel die „dynamische Tessalation“. Wenn man ein Objekt mit den Brushes manipuliert werden zusätzliche Details immer wieder dynamisch soweit unterteilt wie es nötig ist um die notwendigen Einzelheiten herauszuarbeiten. Es werden nicht einfach Polygone gestreckt und dabei das Objekt möglicherweise kantig.

Die Icons und Buttons sind direkt auf dem Workspace verfügbar und stecken nicht in Werkzeugleisten. Das Verhalten ist direkt an zBrush angelehnt und dank des GoZ-Plugins kann man sein Objekt direkt an das kommerzielle Programm übergeben wenn man die umfangreicheren Funktionen dort nutzen möchte. In Sculptris sind im Prinzip nur neun Skulpt-Werkzeuge vorhanden, die jedoch meistens ausreichen um ein professionelles Objekt zu erzeugen.

Hat man mit Sculptris sein Wunschobjekt kreiert kann man dieses auch direkt texturieren. Allerdings kann man dann die Geometrie des Objektes nicht mehr verändern. Trotz des eingeschränkten Funktionsumfangs lassen sich hochwertige Skulpturen anfertigen, die man dann in das obj-Dateiformat exportieren kann um es in anderen Programmen weiterzuverwenden.

Für ein kostenloses Programm ist Sculptris sehr leistungsfähig und eignet sich hervorragend als „Testsoftware“, falls man erwägt das immerhin 600 Dollar teure zBrush zu kaufen. Dort stehen dann noch wesentlich mehr Funktionen zur Verfügung.

Download von Sculptris bei Pixologic bzw. direkt auf www.sculptris.com

 

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