Gerade wurden drei Astronomen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, weil Sie unabhängig von einander erkannt haben, dass sich das All schneller als erwartet ausbreitet. Das Interesse an der Astronomie ist ungebrochen. Leider kann man die Schönheit des Alls in den Städten kaum noch live erleben. Wir haben das zum Anlass genommen uns einmal anzusehen, mit welcher Software man den Weltraum am besten simulieren kann.

Blick zum Himmel

Astronomie macht Spaß!

Wer schon einmal nachts zum Himmel aufgeblickt hat, wird feststellen, dass man kaum noch Sterne sieht, es sei denn, man befindet sich auf dem Land, fernab von Städten, die mit ihren Lichtern den Himmel erhellen. Wie grandios ein Sternenhimmel sein kann erfährt man eigentlich nur noch in dünn besiedelten Gebieten oder im Planetarium. Wer den Sternenhimmel jedoch auch am Computer erleben will oder eine Beobachtungsnacht vorbereiten will, der findet einige empfehlenswerte Programme. Wir stellen Ihnen hier vier kostenlose Möglichkeiten vor, mit denen Sie den Sternenhimmel auch am heimischen PC erleben können.

STELLARIUM

Icons des Stellariums

Sich am Sternenhimmel zu orientieren ist nicht einfach. Wenn man das Glück hat auf dem Lande zu beobachten wird feststellen, dass es umso schwerer ist, je mehr Sterne man sieht. Zum Glück gibt es Sternenbilder, die uns seit Jahrtausenden den Weg weisen. Diese aufzufinden, dabei hilft das Programm STELLARIUM.  Die Benutzerführung ist (größtenteils) in deutsch und erleichtert somit den Einstieg ungemein.

Screenshot des Stellariums mit Mond

Beim Start des Programmes befindet man sich auf einer schönen Wiese, über der sich der aktuelle, der Tageszeit entsprechende, Himmel erstreckt. Man kann nun über ein Menü die Tageszeit anders einstellen um den Nachthimmel darzustellen. Außerdem ist es ratsam den aktuellen Standort festzulegen. Auch dies lässt sich über das Menü einstellen. Da der Himmel den ganzen Bildschirm ausfüllt ist das Menü am unteren Bildrand versteckt. Erst wenn man mit der Maus an den unteren Rand fährt öffnen sich Funktionsleisten, mit denen man die notwendigen Einstellungen vornehmen kann. Den Blick auf den Himmel selbst verändert man mit der Maus. Man kann nach Herzenslust nach links und rechts, oder oben und unten schwenken.

Eine Art Fadenkreuz ermöglicht die Auswahl von Himmelsobjekten, zu denen auf Wunsch Informationen eingeblendet werden. Man sollte sich die Tastenfunktionen einprägen, denn mit den Bild-auf und -ab Tasten kann man beispielsweise an bestimmte Objekte heranfahren. Das lohnt sich natürlich besonders bei Planeten oder grösseren Objekten, da STELLLARIUM dann auch entsprechende Himmelsfotos anzeigt. Mit Hilfe von zuschaltbaren Beschriftungen lassen sich bestimmte Objekte leichter auffinden.

Sternbilder im Stellarium

Besonders gelungen ist die Darstellung der Sternbilder. Man kann sich die Sternbilder nicht nur mit den verbundenen Linien darstellen lassen, sondern erhält auf Knopfdruck auch wunderschöne Bilder von den betreffenden Figuren. Alternativ zu den europäischen Sternenbildern lassen sich übrigens auch die Sternenbilder anzeigen, an denen sich die Ägypter, Azteken und andere Naturvölker orientierten (allerdings ohne Bilder). Ein Informationsfenster zeigt beim Einstellmenü interessante Details und Verweise auf Quellen im Netz.

Wie in einem Planetarium kann man den Zeitablauf beschleunigen sodass man zusehen kann, wie die Sonne, der Mond und die Planeten über den Himmel huschen. Gleichzeitig kann man sich sehr schön über Auf- und Untergänge bestimmter Sterne informieren. Übrigens beherrscht das Programm auch einen Darstellungsmodus für Kuppeln. Wenn Sie also über einen Beamer verfügen und das STELLLARIUM  in eine Kuppel projizieren, können Sie Ihr eigenes, echtes Planetarium simulieren.

Inzwischen verfügt das Programm auch über eine Script-Engine. Einige User stellen bereits Skripte zur Verfügung, mit denen bestimmte Himmelssituation dargestellt werden können, oder Listen mit Auf- und Untergängen angefertigt werden können. Für ambitionierte Sternengucker sicherlich eine schöne Hilfe. Wer also keine Lust hat eine kalte Nacht draußen zu verbringen findet mit STELLARIUM eine blendende Alternative um sich beispielsweise die Formen von Sternenbildern und deren Hauptsterne einzuprägen.

STELLARIUM ist erhältlich für Windows, Linux, MacOS unter http://www.stellarium.org/de/

CELESTIA

Celestia - Ein Blick auf die Heimatwelt

Einen ganz anderen Weg beschreitet CELESTIA, das ebenfalls ein freies Programm ist, das im Internet heruntergeladen werden kann.  Mit CELESTIA verlassen Sie den Heimatplaneten und können jedes, nur erdenkliche,  Reiseziel im All direkt anfliegen. Eine Reise zum Mond, zum Jupiter oder zur ISS gefällig? Kein Problem. Man gibt über ein Suchfenster das gewünschte Reiseziel an und „beamt“ sich entweder sofort hin, oder man simuliert einen Flug.

Dass man sich dabei mit einem vielfachem der Lichtgeschwindigkeit bewegen muss, möge Albert Einstein verzeihen. Trotzdem macht es Spaß von einem prominenten Stern zum nächsten zu fliegen. Egal, ob Beteigeuze oder Aldebaran. Die Wunder des Universums sind nur ein paar Mausklicks entfernt. Interessant wird es auch, wenn man sich die vertrauten Sternenbilder mit Linien anzeigen lässt und dann einmal direkt darauf zuhält. Jetzt wird einem erst richtig klar, dass die Sterne eben nicht alle auf einer Kristallkugel kleben, sondern sich in verschiedenen Entfernungen zur Erde befinden.

Komet Halley mit Zeiger zur Sonne

Doch CELESTIA kann noch mehr. Dank eines ausgeklügelten Script- und Plugin-Systems lassen sich geführte Touren durch das Universum anstellen. Auf der Support-Website gibt es einige Skripte für die Sehenswürdigkeiten im All zum Download. Ebenso ist es möglich die mitgelieferten Texturen für Planeten und Monde durch höher aufgelöste zu ersetzen. Ebenso sind 3D-Objekte für Sonden und Satelliten verfügbar, die auf korrekten Flugbahnen durchs All fliegen. Einige  Fans haben auch Datensätze für fiktionale Planeten und Raumschiffe ins Netz gestellt. Angefangen von den Raumstationen aus „2001 – Odyssee im Weltraum“ bis hin zu „Startrek“ oder „Babylon5“ findet man viele Ergänzungen zum Programm.

Mit CELESTIA erhält man ein ausgeklügeltes Programm, das ständig erweitert werden kann. Auch die neu entdeckten realen Planeten lassen sich in die Datensätze einpflegen. Wer wollte nicht auch schon mal gerne einem Kometen durch das All folgen? Mit CELESTIA kein Problem. Dabei hilft auch das gut durchdachte Kontextmenü. Klickt man beispielsweise mit der rechten Maustaste auf die Sonne kann man die umlaufenden Objekte anzeigen lassen. So werden bei der Sonne die Planeten, Asteroiden, Kometen und künstlichen Sonden angezeigt, die man auswählen kann und dann per Taste G direkt anfliegen kann. So ist das Auffinden bestimmter Trabanten ziehmlich einfach.

Asteroidenbahnen sichtbar gemacht

Wer noch nicht genug hat das All zu durchfliegen kann sich auch die Umlaufbahnen der Planeten anzeigen lassen. Beängstigend ist es, wenn man sich die Orbits der Asteroiden anzeigen lässt. Auch wenn diese längst nicht so dicht gepackt sind, wie man bei StarWars gesehen hat, so mach einem das „Gewusel“ des Asteroidengürtels doch nachdenklich.

Mit CELESTIA ist den Programmierern auf jeden Fall ein wirklich guter Wurf gelungen. So hautnah konnte man das Weltall bisher nur in professionellen Planetarien bewundern. Durch die umfangreiche Fangemeinde wird das Programm auch ständig mit neuen Datensätzen erweitert, sodass man auch in Zukunft immer mehr intergalaktische Reiseziele besuchen kann.

Erfreulicherweise wurde auch dieses Programm von den Fans durch deutsche Beschriftungen eingedeutscht. Viele Skripte für die virtuellen Reisen sind auch durch deutsche Kommentare ergänzt.

CELESTIA ist erhältlich für Windows, Linux und MacOS unter http://www.shatters.net/celestia/download.html

Die Add-ons und Skripte stehen unter der folgenden Adresse bereit: http://www.celestiamotherlode.net/

WORLDWIDE TELESCOPE (WWT)

Worldwide Telescope

Das „Worldwide Telescope“ ist ein Forschungsprojekt von Microsoft und geht bei der Darstellung des Alls einen ähnlichen Weg wie CELESTIA. Allerdings setzt das Programm auf eine gute Online-Verbindung, denn alle vergrößerten Himmelsobjekte werden direkt aus dem Netz nachgeladen.

Die Benutzeroberfläche lässt sich auf Deutsch umstellen und präsentiert sich mit zahlreichen Bildchen am Rand, mit denen der Zugriff auf bestimmte Themengebiete erleichtert werden soll. Am oberen Bildrand befindet sich ein Menü mit den Settings, aber auch Einstiegseinträge für die Erkundung des Alls oder geführte Touren. Hier können User kleine Sequenzen hinterlegen, die Sie bei der Erkundung des Alls aufgenommen haben. Leider sind die gesprochenen Kommentare durchweg Englisch. Trotzdem findet man, schön geordnet, ein paar interessante Touren durch die Highlights des Alls.

Im „Explore“-Modus erhält man am unteren Bildrand eine Reihe von möglichen „Reisezielen“, die man anklicken kann. Die Ansicht des Sternenhimmels schwenkt auf das neue Ziel, zoomt soweit wie möglich heran und präsentiert die neuesten Fotos aus dieser Region, die jeweils aktuell aus dem Web nachgeladen werden.

Geführte Touren

Dabei bekommt man oft auch noch mehrere Optionen zu Auswahl. So kann man sich beispielsweise Bereiche der Milchstraße entweder im sichtbaren Licht, oder im UV- oder Infrarotbereich anzeigen lassen. Hier wird sehr oft deutlich, welchen schmalen Bereich des Spektrums man nur mit optischen Betrachtungen erfassen kann. Details lassen sich meistens erst erfassen, wenn andere Bereiche des elektromagnetischen Spektrums einbezogen werden.

Die untere Icon-Leiste aktualisiert sich außerdem laufend wenn man über den Himmel schwenkt. Je nachdem, welchen Bildschirmausschnitt man gerade gewählt hat, werden die dort befindlichen, lohnenswerten Objekte als Icon angezeigt. Ein Klick und die Kamera zoomt an das entsprechende Objekt heran.

Wie der Name des Programms andeutet handelt es sich nicht um eine Software um beliebig im All herumzufliegen. Stattdessen erhält man mit dem WWT ein virtuelles Teleskop, das auch in der Lage ist Steuerbefehle an echte Teleskope zu senden.

Das WWT ist als eigenständiges Programm lediglich für Windows Rechner unter http://www.worldwidetelescope.org/Home.aspx

Mac-User können den Webclient auf der Website des WWT benutzen: Webclient

PLANETARIUM 1900-2100

Planetarium 1900-2100

Dieses Freewareprogramm sieht grafisch ein wenig einfacher aus, verfügt jedoch auch über sehr umfangreiche Funktionen. Es ist vom Bildschirmaufbau nicht ganz so flüssig und zeitgemäß wie die oben vorgestellten Programme, allerdings ist die Benutzeroberfläche funktional und verfügt über einige interessante, zusätzliche Features.

Die Software ist komplett in deutsch und verfügt über zahlreiche Icons an den Bildschirmrändern um die wichtigsten Funktionen direkt griffbereit zu haben. Klickt man auf einen Stern oder ein anderes Himmelobjekt, öffnet sich ein zusätzliches Fenster mit Grundinformationen. Meistens befinden sich hier jedoch auch noch weitere Schaltflächen, mit denen man interessante Zusatzinformationen und Grafiken abfragen kann. Bei Planeten und Messier-Objekten werden auf Wunsch Fotos oder 3D-Ansichten in einem Extra-Fenster angezeigt.

Historische Abbildungen inklusive

Wie beim STELLARIUM lässt sich der Sternenhimmel auch animieren. Allerdings erfolgt dies eher ruckelig und erhebt auch nicht den Anspruch fotorealistisch zu sein. So ist der eingeblendete Horizont auch eher comicartig, wenn man ihn bei Tageslicht betrachtet. Aber das spielt ja sowieso keine große Rolle.

Man ist eigentlich immer dabei neugierig auf verschiedene Objekte zu klicken, weil sich die Art der Information bei den einzelnen Objekten unterscheidet. So werden auch äußerst schmucke,  historische Sternenkarten eingeblendet wenn man auf ein Sternbild klickt.

Ein paar nette Gimmicks verstecken sich in den Menüs. Dort kann man unter „Extras“ zum Beispiel eine Liste von Feiertagen für das Jahr generieren oder den Einsatz von echten Teleskopen am Bildschirm planen. Neben den Daten für das verwendete Teleskop lassen sich auch die Werte für die eingesetzten CCD-Kameras präzise planen.

Die nächste partielle Sonnenfinsternis in Deutschland

Unter „Animation“ findet man verschiedene Simulationen für diverse Himmelsobjekte, die dann in separaten Fenstern abgespielt werden. Schließlich lassen sich auch noch Ephemeriden berechnen. Im entsprechenden Menü hat man Zugriff auf Venus- und Merkurdurchgänge vor der Sonne und kann sich auch über die Monde von Jupiter und Saturn auf dem Laufenden halten.

Oder wie wäre es mit einer Berechnung für bevorstehende Mond- oder Sonnenfinsternisse? All dies ist auf dem Bildschirm wunderbar in Einzelfenstern dargestellt. Der Heise-Verlag hat dem nützlichen Programm eine Empfehlung ausgesprochen und hostet den Download der aktuellen Programmversion.

PLANETARIUM 1900-2100 ist nur für Windows erhältlich. Weitere Informationen und Downloadlink unter http://www.astroexcel.de/

FAZIT

Die vier vorgestellten Programme bieten verschiedene Ansatzpunkte um sich mit dem Weltall vertraut zu machen. STELLARIUM als Planetariums-Software, die den Nachthimmel mit Erklärungen ergänzt. CELESTIA, mit dem die Himmelsobjekte direkt angeflogen werden können. Und schließlich das WORLDWIDE TELESCOPE, dessen Stärke in den stets aktuellen Fotos aus den Datenbanken des Webs liegt. Für PLANETARIUM 1900-2100 spricht die gute Aufarbeitung von astronomischen Daten. Bei den meisten Programmen gibt es auch eine Schnittstelle zu echten Teleskopen, sodass man einen Laptop zum Steuern und Nachführen der Fernrohre einsetzen kann.

Schließen wir diesen Artikel mit einem Zitat, das ich von Astrophysiker und TV-Moderator Harald Lesch übernommen habe: „Wenn es stimmt, dass sich das Universum ausdehnt, wieso bekomme ich dann nirgends einen Parkplatz?“

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