Ein eigenes Tonstudio zum Taschengeldpreis? Moderne Software erspart teures Studioequipment und ermöglicht trotzdem professionelle Ergebnisse.

Wer so etwas will, greift zum "Samplitude Music STUDIO MX" von Magix. Ambitionierte Musiker und Podcast-Macher finden in Samplitude ein leistungsfähiges Tool um Sounds aller Art zu bearbeiten.

Lang ist`s her: Amigaversion anno 1992

Damals...

Der Name "Samplitude" ist bereits seit vielen Jahren ein Begriff. Das Programm wurde 1992 das erste Mal für den Commodore Amiga herausgegeben und war auf diesem Rechner das Non-Plusultra für die Bearbeitung digitaler Klänge. Das Programm "Samplitude" versteht sich als "Digitale Audio Workstation" (DAW) und wurde in erster Linie zum "samplen" und bearbeiten von Audiodateien konzipiert. Da das Programm auch auf den PC portiert wurde ist es aus der Szene inzwischen nicht mehr wegzudenken und wird seit einigen Jahren von Magix vertrieben.

...und heute

Magix liefert neben der reinen Software auch einige Plugins und Synthesizer mit, die aus dem reinen Sampleprogramm eine komplette Bearbeitungs-Suite machen. Der Funktionsumfang und der günstige Preis (79,99€)  haben es zu einem der meistverkauften, kommerziellen, virtuellen Tonstudios gemacht.

Das MX im Namen steht für "Media X-Change" und ist in der aktuellen Produktpalette von Magix bei vielen Produkten zu finden. In "Samplitude Music STUDIO MX" wurde eine Funktion namens "Bereitstellen" implementiert, die die Ausgabe auf Onlineplatformen, aber auch die Übergabe an andere Programme erleichtern soll. So kann man das fertig bearbeitete Stück per Menü an "Magix Deluxe Videostudio MX" als Soundtrack übergeben.

Vergleich: Music MAKER und STUDIO

"Music Maker" gegen "Music Studio"

Nun hat Magix auch noch das Programm "Music MAKER MX" im Sortiment und die Produktbeschreibung liest sich ähnlich wie beim "Music STUDIO". Auf den ersten Blick ist nicht unbedingt ersichtlich für welches Programm sich der Kunde entscheiden soll.

Das Programm "Music MAKER MX" richtet sich vor Allem an Benutzer, die vorhaben Soundloops zusammenzusetzen und damit einen Song zu produzieren. Der Vorteil ist, dass man keine Noten kennen muss um einen kompletten Song zu produzieren. Der Nachteil dieser Methode ist jedoch, man ist abhängig von der Auswahl der Soundschnipsel, die man im Baukastensystem zusammensetzen kann. Magix bietet inzwischen 18 Soundpool-DVDs an, auf denen man solche Loops findet. Trotzdem wird man irgendwann feststellen, dass auch das möglicherweise nicht reicht um abwechslungsreiche, individuelle  Musik zu produzieren. Auch wenn man beim "Music MAKER MX" Midi-Klangerzeuger hat und Midispuren selbst komponieren kann, so ist der Funktionsumfang in diesem Bereich stark eingeschränkt. Zudem lassen sich keine kompletten Midi-Songs speichern. Die Stärke von "Music MAKER MX" liegt also eher im "loopbasierten Songediting".

Music Studio MX

Die Audiobearbeitung im Vordergrund

Ganz anders dagegen das "Music STUDIO MX", dessen Stärke eher im Audiorecording liegt und sich damit an Musikschaffende richtet, die eigene Instrumente oder die eigene Stimme aufnehmen wollen. Ebenso kann man natürlich auch Podcasts aufnehmen oder die Software zum kreiren von Soundeffekten für die Videoproduktion einsetzen.

Mithilfe verschiedener Werkzeuge kann man nach Herzenslust sampeln, Mehrspuraufnahmen machen und Songs mit dem erweiterten Midi-Editor komponieren. Außerdem lassen sich Midi-Songs auch als solche speichern und an andere Editoren übergeben. Da das Programm einen großen Funktionsumfang hat, muss man schon etwas Zeit investieren um die Möglichkeiten zu entdecken, die "Music STUDIO MX" bietet. Die Ergebnisse sind aber durchweg professionell.

Beim ersten Programmstart wird man zunächst aufgefordert die Pfade zu den Speicherorten festzulegen und die angeschlossenen Geräte anzugeben. Danach öffnet sich die schicke, graue Oberfläche, die zunächst einmal sehr übersichtlich aussieht. Es gibt verschiedene Layouts, mit denen man arbeiten kann, die sich an Benutzer mit unterschiedlichen Kenntnisstand richten.

Verschiedene Layouts

Einfache Bearbeitungsschritte

Beim ersten Mal öffnet sich das Programm im "Easy-Mode". Am oberen, linken Bildrand befindet sich hier eine Reihe von Buttons, durch die man nacheinander durch verschiedene Schritte der Produktion eines Songs geführt wird.
Im Easy-Mode gibt es  nur wenige Icons, mit denen sich der Einsteiger anfreunden muss. Beim Durchlaufen der Bearbeitungsschritte werden auch nur die absolut notwendigen Funktionen angezeigt.

Jamming mit virtuellen Partnern

Beim Recording hat man im Easy-Mode einen speziellen Rekorder, bei dem man auch aus einem umfangreichen Soundpool Begleitrhythmen aussuchen kann, die dann abgespielt werden, während man dazu jammt. So können Kompositionen auch im Alleingang entstehen ohne dass andere Musiker zugegen sein müssen.

Screens für Fortgeschrittene

Midi-Editing im Expertenmodus

Wenn man schon erfahrener ist, kann man den Bildschirm dann auf "Standard", "Power User", "Automation" oder "Custom" einstellen. So erhält man mehr und mehr Funktionen auf dem Bildschirm, in denen man als Einsteiger vielleicht den Überblick verloren hätte. Dank der frei beweglichen Funktionspaletten kann man sich unter "Custom" sein Wunschlayout selbst zusammenstellen.

Ein weiterer Screen ermöglicht den Aufruf des "MR64", dem Multitrack-Rekorder, der ein echtes Aufnahmegerät simuliert. Wenn man schon einmal mit entsprechenden Hardware-Rekordern gearbeitet hat, wird man sich hier heimisch fühlen. Ansonsten kann man die einzelnen Spuren auch über die Trackanzeige aufnehmen.

Volle Midi-Unterstützung

Die Spuren der Trackanzeige können wahlweise mit gesampelten Audiodateien oder Midi-Dateien belegt werden. Für Midi-Dateien kann man wahlweise einen externen Klangerzeuger wählen, oder aber man nutzt den Synthesizer der Soundkarte.

Einstellmöglichkeiten für VITA-Instrumente

Besser jedoch klingt der VITA-Klangerzeuger, der mit dem "Music STUDIO MX" ausgeliefert wird. Von Klassik bis Pop stehen hier zahlreiche Instrumente zur Verfügung.

Zusätzlich wurden in der aktuellen Programmversion noch "Century Guitar", "Drum-Engine" und "Lead-Synth" als Softwaresynthesizer hinzugefügt. Diese Plugins erweitern das Soundspektrum noch einmal gehörig.

Um MIDI-Dateien einzugeben nutzt man entweder die Piano-Roll oder einen Noten-Editor, der auch über eine Druckfunktion für Notenblätter verfügt. Ebenso lassen sich über einen Drumeditor eigene Rhythmen kreiren. Alternativ kann man hierzu jedoch auch die mitgelieferte "Beatbox 2 Plus" nutzen.

Abmischung und Effekte

Einfacher Mixer für Beginner

Nachdem man alle Aufnahmen und Midispuren für gut befunden hat geht es an das Abmischen. Hierzu stellt das "Music STUDIO MX" einen umfangreichen Mixer zur Verfügung, in dem man das Klangbild der einzelnen Spuren separat einstellen kann. Auch lassen sich die mitgelieferten Effekte hier einschleifen. Mit dem "Vandal SE" Plugin lassen sich hier geniale Gitarrenvariationen einstellen.  Wer im "Easy-Mode" arbeitet bekommt dabei einen vereinfachten Mixer angezeigt, für den man aus einer Bibliothek von Voreinstellungen eine passende auswählen kann. Abmischen leicht gemacht!

Mastering

Zuguterletzt steht das Mastern auf dem Programm. Hier bietet Magix eine komplette Mastering-Suite an, mit der man seinem Audioprojekt noch den richtigen Feinschliff geben kann. Man kann aus verschiedenen Presets wählen, wie der Klangcharakter des Songs sein soll bevor man aus den einzelnen Tracks ein endgültiges Audiofile macht. Die Presets können dabei als Vorlage dienen, mithilfe der verschiedenen Regler an den Racks kann man schließlich daraus seinen eigenen Sound ableiten.

Bereitstellen mit Media-X-change

Mit der "Bereitstellen"-Funktion legt man nun fest, ob man eine Audio-CD brennen möchte, die Datei an das "Videostudio" übergeben möchte, oder ob man es auf eine Online-Plattform wie "Magix Online Album", "Soundcloud", "Facebook" oder "youTube" hochladen möchte. Man muss nur einmal seine Zugangsdaten eingeben und das "Music STUDIO MX" lädt das Endprodukt automatisch auf die entsprechende Platform hoch.

Reichhaltige Funktionen bei kleinem Preis

Automatisierung von Effekten und Lautstärke

Das "Samplitude Music Studio MX" besticht durch seinen Funktionsumfang. Zwar lassen sich auch hier Loops zu Komplettsongs zusammensetzen (wie im "Music MAKER"), jedoch liegen die Stärken hier im Audiorecording und in der Midi-Bearbeitung. Ambitionierte Musiker, die einzelne Spuren nacheinander aufnehmen wollen oder über eine Soundkarte mit mehreren Eingängen verfügen, finden in Samplitude einen zuverlässigen Aufnahmepartner für Studio und Liveaufnahmen.

Von den ersten Tracks bis zur fertigen CD deckt das Programm alle Bearbeitungsschritte ab. Wer gesanglich nicht immer gleich den richtigen Ton trifft kann über die "Elastic-Audio"-Funktion auch falsche Noten korrigieren. Dank zahlreicher Filter lassen sich auch professionelle Effekte erzeugen. Von der einfachen Klangkorrektur und Rauschunterdrückung bis hin zu Hall-, Vocoder- oder Choreffekten ist alles möglich. Sehr schön sind auch die Automationseffekte. So kann man mit der Maus den Lautstärkeverlauf einer Spur direkt in Form einer Linie zeichnen. Dasselbe gilt für Plugineffekte, mit denen man so Filtereinstellungen manipulieren kann. Alternativ lassen sich diese Effekte auch automatisch in Form von Hüllkurven erzeugen, die auf dem Beat der entsprechenden Spur basieren.

Preis

Besonders attraktiv ist übrigens auch der Preis. Für nur 80 Euro erhält man ein vollwertiges Soundbearbeitungsprogramm mit zahlreichen Erweiterungen, die bei Konkurrenzprodukten oft erst dazugekauft werden müssen. Wer beim Mastering noch professionellere Funktionen benötigt, kann Samplitude auch auf die Version "Pro X" upgraden. Dann stehen dem Profi auch noch Plugins zum Abmischen von Surroundsound und 5.1-Sound zur Verfügung. Allerdings schlägt diese Lösung dann auch gleich mit 599 Euro zu Buche.

Systemvoraussetzungen

"Samplitude Music Studio MX"  ist sehr genügsam in den Anforderungen. Es läuft unter Windows XP, Vista (32 und 64bit) und Win7 (32 und 64bit) und benötigt mindestens 1 GByte Arbeitsspeicher, einen Prozessor ab 1,5 GHz. Eine Soundkarte ist Pflicht, wie man sich ja denken kann. Ein onBoard Chip reicht aus, besser sind natürlich Soundkarten mit erweiterten Funktionen. Wer ganz professionell aufnehmen möchte spendiert seinem Rechner eine Soundkarte mit mehreren Eingängen, damit man acht Spuren gleichzeitig aufnehmen kann (wenn man z.B. eine komplette Band live aufzeichnen will). Die Soundkarte sollte auch über Midi-Anschlüsse verfügen um externe Klangerzeuger anschliessen zu können.

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Guter Partner: "Band-In-A-Box"

Band In A Box

Übrigens harmoniert das Programm auch hervorragend mit dem Programm "Band-In-A-Box" von PG-Music. Bei diesem Programm gibt man Akkorde in Lautschrift ein, wählt einen Begleitrhythmus und das Programm erzeugt aus der Partitur hervorragende Songs, die man natürlich nach Midi exportieren kann und in "Music Studio MX" wieder importieren kann. Im Zusammenspiel der Programme lassen sich so relativ einfach Songs vorbereiten, denen man dann im "Music Studio MX" den letzten Schliff geben kann. Wir werden "Band-In-A-Box" in Kürze vorstellen.

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