In Poser ist es möglich sogenannte „Morphtargets“ zu laden um diese dann per Drehregler stufenlos einzublenden. Will man beispielsweise eine Michael4 Figur in eine bekannte Persönlichkeit verwandeln, dann kann man versuchen den Look dieser Person in Posers eigenem „Faceroom“ einzustellen, oder man greift auf externe Programme zu, die die Form des Kopfes direkt manipulieren.

Der Poser Faceroom ist ein wenig sperrig zu bedienen. Es ist zwar möglich Fotos von realen Menschen in der Front- und Seitenansicht einzuladen, allerdings sind die Bedienelemente für das manipulieren der Gesichtsmerkmale sehr spartanisch. Innerhalb Posers ist es daher eher zu empfehlen die Morphbundles für Victoria oder Michael4 zuzulegen. Mit den Morph++-Paketen zu den DAZ3D-Figuren erhält man im Posenraum zahlreiche neue Drehregler, mit denen man Gesichtsmerkmale einstellen kann. Man erhält eine wesentlich bessere Kontrolle, dank der umfangreichen Auswahl an Reglern, um reale Menschen nachzubilden.

Export des Kopfes

Als dritte Möglichkeit bietet sich an, das Mesh für den Kopf zu exportieren und in einem Extraprogramm zu manipulieren. Auch wenn die meisten 3D-Programme die OBJ-Files einladen können, so bringt das Editieren am meisten Spaß wenn man Modellierungstools verwendet, die Vertexmodelling zulassen. Als Beispiel seien hier zBrush, Mudbox, aber auch 3DCoat und Quidam genannt, die alle in der Lage sind Objekte quasi wie Wachsfiguren zu behandeln. Diese Programme sind kostenpflichtig, allerdings gibt es da auch noch Sculptris und Blender, die diese Art des Modellings ebenfalls möglich machen.

Um nun überhaupt ein Detail einer Poserfigur auf diese Weise zu manipulieren (es muss nicht unbedingt ein Kopf sein) muss der gewünschte Körperteil erst einmal in ein obj-File umgewandelt werden. Dazu gehen Sie in Poser in das Menü „File->Export>“ und wählen den Menüpunkt „Wavefront OBJ….“. Es öffnet sich nun das Fenster „Export Range“, in dem Sie einstellen können, ob Sie nur einen einzelnen Zustand oder eine ganze Animation exportieren wollen. Lassen Sie „Single Frame“ markiert und klicken auf OK.

Nun öffnet sich der World-Browser, in dem Sie alle Objekte der aktuellen Szene, inklusive aller Hierarchien angezeigt bekommen. Entfernen Sie alle Kreuze aus den Feldern und wählen Sie für unser Beispiel lediglich „Head“ an und drücken Sie OK. In dem nun erscheinenden Fenster „Export Options“ ist es wichtig den Punkt „As Morph Targets…“ anzuwählen. Nach dem obligatorischen OK können Sie sich nun den Dateinamen aussuchen und an einem Ort Ihrer Wahl auf der Festplatte speichern.

Bearbeiten im externen Programm

Starten Sie nun Ihr externes Bearbeitungsprogramm und importieren Sie die gerade gespeicherte OBJ-Datei. Wir verwenden zBrush 4.0 um unser Objekt zu manipulieren. Sie können nun den Kopf nach Herzenslust manipulieren. Je nach Programm haben Sie dabei nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Wichtig ist nur, dass das Objekt auch mit der Ursprungsfigur kompatibel bleibt. Bei einigen Programmen müssen Sie daher darauf achten, nur ein Lores-Mesh zu exportieren, da Poser mit feiner unterteilten Objekten nichts anfangen kann. Haben Sie also die Figur nach Ihren Wünschen verändert, müssen Sie das Mesh als OBJ-Datei exportieren.

Reimport nach Poser

Nun müssen wir die OBJ-Datei wieder mit dem Poser-Objekt vereinen.

Wählen Sie Ihre Wunschfigur in Poser aus und selektieren Sie als Bodypart den Körperteil, den Sie manipuliert haben. In unserem Fall also den Kopf. In dem Fenster mit den Drehreglern gibt es eine Rubrik namens „Properties“ bzw. „Eigenschaften“. Suchen Sie den Knopf „Load Morph Target“ und klicken Sie darauf. Es öffnet sich ein Fenster, in dem als Erstes steht „Geometry File: None“. Gleich daneben befindet sich ein Button mit Punkten, der einen Dateibrowser öffnet.
Suchen Sie nun die von Ihnen erstellte OBJ-Datei und bestätigen Sie mit „Öffnen“. Die Labelbeschriftung wurde mit dem Namen der OBJ-Datei versehen. Möchten Sie ihren Drehregler anders benennen, dann können Sie hier einen anderen Namen eingeben. Bestätigen Sie nun mit OK.

Noch ist an Ihrer Figur keine Veränderung zu bemerken. Das ändert sich jedoch, sobald Sie in dem Eigenschaftenfenster von „Properties“ auf „Parameters“ umschalten. Ganz unten bei den Parametern befindet sich nun ein Drehregler mit Ihrem selbsterstellten Morph. Drehen Sie nun am Rad oder stellen Sie manuell den Wert „1“ ein und Ihre Figur sollte nun entsprechend Ihres OBJ-Files verändert werden.

Wenn Sie wollen können Sie sogar mehrere OBJ-Dateien als Morph-Ziele einladen und dann mit mehreren Reglern eine Mischung aus Ihren Dateien erzeugen. Der Fantasie sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Wenn Sie zusätzlich die Morph++-Pakete für Ihre Figur besitzen können Sie nun noch Dinge wesentlich verfeinern. Aber Achtung! Injizieren Sie diese zusätzlichen Morphs besser erst nachdem Sie ihre eigenen Morphziele erstellt und importiert haben. Offenbar sind einige Programme beim Export sonst überfordert.

Mit externen Morphs kann man wunderbar eingreifen, wo Poser nicht mehr weiterkommt. Welches zusätzliche Programm Sie einsetzen spielt dabei keine Rolle. Das kostenlose Sculptris hat sich im Praxistest genauso bewährt wie die kommerziellen Programme, die aber zwischen 100 und 600 Euro kosten.

 

 

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