DrawPlusPackage_150Wenn man Vektorgrafiken erstellen will kommen meist Programme wie CorelDraw oder Adobe Illustrator in den Sinn. Leider sind die meisten professionellen Programme recht teuer und man fragt sich, ob es nicht preisgünstige Alternativen gibt. Eines dieser Programme ist „DrawPlus X6“ aus dem Hause Serif.

 

Clipartverwerter

Schon seit den achtziger Jahren ist die englische Firma Serif vor allem durch spezielle Drucksoftware bekannt, mit denen man Grußkarten, Visitenkarten oder ähnliche Erzeugnisse mithilfe reichhaltiger Clipartsammlungen erstellen kann. Mitlerweile bietet Serif mehr vollwertige Programme an, die dem kreativen Amateur bezahlbare Werkzeuge an die Hand geben, mit denen man professionelle Ergebnisse erzielen kann.

Als Konkurrent zu CorelDraw kann man das, mit unter 100 Euro nicht zu teure, Programm „DrawPlus X6“ einordnen. Die Software ist sehr intuitiv zu bedienen und besticht durch die übersichtliche Oberflächengestaltung. Uns lag zum Test die englische Fassung vor, für den deutschen Markt wurden die Beschriftungen eingedeutscht.

Erster Eindruck

DrawPlus01Beim Programmstart öffnet sich zunächst ein Startfenster, aus dem man auswählen kann, ob man ein bestehendes Projekt weiterführen möchte oder anhand von Vorlagen ein neues Projekt starten will. Falls ja, öffnet sich ein Vorlagenbrowser, in dem man bestimmte Seitengrößen wie z.B. A4 oder B5 aussuchen kann. Aber auch Vorlagen für Grußkarten, Visitenkarten oder auch technische Zeichnungen können hier ausgewählt werden.

Ebenso ist es möglich, statt eine einzelne Seite zu erstellen, Animationen auszuwählen. Hier stehen auch zwei Modi zur Verfügung: Schlüsselbildanimation (bei der man nur Eckdaten einer Bewegung eingeben muss und die Software dann die Zwischenbilder selbst berechnet) und Einzelbildanimation ( bei der man jedes Bild, wie beim Zeichentrickfilm, selbst erstellen muss). So sind auch animierte Gif-Grafiken für Websites kein Problem. Alternativ lassen sich Animationen aber auch im Flashformat speichern und können so z.B. in Crazytalk Animator eingesetzt werden.

DrawPlusScreenshot

Benutzeroberfläche

Auf der eigentlichen Benutzeroberfläche finden wir links die Leiste mit den Werkzeugen und oberhalb der Seitendarstellung die Einstellmöglichkeiten für das ausgewählte Werkzeug. Im rechten Bereich gibt es Paletten für weitere Einstellungen, aber auch die Fenster für  Ebenen, Clipart- und Brushbibliotheken. Welche Paletten im einzelnen angezeigt werden, kann man über das Menü bestimmen. Außerdem lassen sich einzelne Panels ablösen und zu Reitern in einem Funktionspanel zusammenfügen. Gerade wenn man im Ebenenbrowser des Dokuments viele Einträge hat ist es schön wenn man einzelne Panels verschieben kann. Es ist aber auch möglich die einzelnen Panels „abzureißen“ und frei auf dem Bildschirm zu plazieren. Hat man sich eine eigene Anordnung zurechtgelegt, lässt sich der Workspace auch abspeichern sodass dieser beim nächsten Programmstart wieder zur Verfügung steht.

Zeichenwerkzeuge

DrawPlus04Die Zeichenwerkzeuge sind erstaunlich flexibel und das Programm arbeitet stark vektororientiert. Zur Verfügung stehen Bleistift, Pinsel und Zeichenfeder um Bilder zu erstellen. Der Bleistift erzeugt einfache Linien, die aber aus sehr vielen Stützpunkten besteht. Wer mit Zeichentablett arbeitet ist hier klar im Vorteil, da man beim Zeichnen mit der Maus doch sehr zittert und damit viele ungewollte Punkte setzt. Natürlich kann man diese auch wieder löschen, bzw. die Linie optimieren. Dabei fällt auf, dass DrawPlus gegenüber Adobe Illustrator oder CorelDraw erfreulich große Griffflächen für die Eckpunkte zur Verfügung stellt. Einer der Hauptgründe, wieso der Rezensent diese Software vorzieht.

Beim Zeichnen mit Pinseln ist es möglich verschiedene echte Pinsel zu simulieren, aber auch Grafiken, wie auf einer Perlenschnur, zu verteilen. Besonders hilfreich ist das, wenn man beispielsweise Gras simulieren möchte oder Ornamente erzeugen will. In der Brush-Bibliothek gibt es zahlreiche Presets die, neben normalen Pinseln und Zeichenwerkzeugen, auch natürliche Minigrafiken anbietet. So kann man einfach Wolken malen, aber auch ganze Wälder oder Steinwege. Über einen Brush-Designer lassen sich eigene Minigrafiken als PInsel einsetzen und sogar die Anfangs- und Endpunkte vom eigentlichen Linienzug abkoppeln. So brechen Linien nicht einfach ab sondern haben dann entsprechende Enden.

Besonders leistungsfähig ist jedoch das Zeichenfedertool, mit dem man echte Vektorlinienzüge erzeugen kann. Wer schon einmal versucht hat ein eingescanntes Bild in eine frei skalierbare Grafik zu verwandeln, der weiß diese Funktion zu schätzen. Man erzeugt Linien und kann die später mithilfe von Ziehpunkten in die richtige Form bringen. Mithilfe dieses Tools gelingt es relativ schnell ansehnliche Grafiken zu produzieren und diese auch entsprechend zu kolorieren.

Vektorisieren

DrawPlus_Trace

DrawPlus verfügt auch über eine Schnittstelle zum automatischen vektorisieren von eingescannten Grafiken. Dazu importiert man zunächst eine Grafik auf die Arbeitsoberfläche und ruft danach die „Autotrace-Funktion“ auf. Nun kann man sich entscheiden, ob man ein Schwarzweiß-Foto, ein Logo oder eine Farbgrafik vektorisieren möchte. In einem deutschsprachigen Erklärungsfenster bekommt man wichtige Erläuterungen. Hat man sich für eine Methode entschieden wird das Bild geöffnet und man bekommt rechts einige Einstellmöglichkeiten an die Hand um das Bild möglichst optimal zu tracen. Trotzdem ist noch einiges an Handarbeit erforderlich um überzählige Eckpunkte zu eliminieren. Die Software stellt hierfür einige Tools zur Verfügung um Kurven zu optimieren oder Farbflächen zusammenzuführen.

Praxisvergleich

Es würde zu weit führen wenn man hier alle Funktionen auflisten würde. Dazu gibt es das Datenblatt auf der Website des Herstellers, wo man sich auch eine Demoversion herunterladen kann. Für den Rezensenten stand im Vordergrund aus Bleistiftskizzen einer Comicfigur vorzeigbare Vektorgrafiken zu erzeugen. Dabei war es wichtig, dass die Erstellung der Linienzüge sehr intuitiv zu sein hatte und dass man die Linien im nachhinnein gut editieren kann. Der Rezensent hatte die Gelegenheit diese Funktionen in (älteren) Version von CorelDraw, Illustrator CS2 und XaraDesigner Pro zu vergleichen.
Interessanterweise gehen all diese professionellen Programme unterschiedlich vor. Natürlich kann man sich an das Handling gewöhnen, auffällig war jedoch, dass bei diesen Programmen die Anfasser, mit denen man später die Stützpunkte von Kurven verschieben kann, erstaunlich klein dargestellt werden. Nur bei Serif DrawPlus waren diese relativ groß, sodass man nicht genau zirkeln muss um den jeweiligen Punkt zu treffen. Interessanterweise ist das andere Programm, das ähnlich gut ist, ausgerechnet das völlig kostenlose Inkscape 0.48. Auch hier sind die Stützpunkte angenehm groß und lassen sich auch auf 19 Zoll Bildschirmen sicher treffen.

GriffpunktGrösse

Exportformate

DrawPlus X6 hat sich für den Rezensenten inzwischen zum wertvollsten Vektorgrafikprogramm entwickelt, da es nicht nur komfortabel und schnell agiert, sondern auch über einige nette Zusatzfeatures verfügt. So ist ein leistungsfähiges Freistellungswerkzeug für Fotos inbegriffen und auch das Handling von Brushes und Farbverläufen ist recht gut gelungen.
Das Programm speichert seine Bilder in einem eigenen Format ab, kann aber auch in gängige Grafikformate exportieren und auch SWF- und PDF-Dateien erzeugen. Das Flashformat wird benötigt, wenn zum Beispiel Figuren für Reallusions „Crazytalk Animator 2“ erstellt werden sollen. Hierfür liefert Reallusion auch ein Charactersheet für registrierte Anwender, die Figuren aus verschiedenen Perspektiven zeigen. Mit DrawPlus kann man nun die Elemente einzeln erzeugen, nach SWF exportieren und dann in Crazytalk Animator2 (Pipeline) weiterverwenden.

Fazit:

DrawPlusPackage_250Für unter 100 Euro erhält man eine umfassende Vektorgrafik-Software, die sich nicht hinter CorelDraw oder Illustrator verstecken muss. Die intuitive Oberfläche und der Funktionsumfang richtet sich an den ambitionierten Heimanwender, kann aber auch professionellen Ansprüchen genügen. Serif liefert auf der  Website kurze Info-Filme, die über die einzelnen Programmfunktionen aufklärt (in deutsch), sodass man sich sehr einfach mit der Software anfreunden kann. Da man mit dem Programm sogar animierte Grafiken erstellen kann ist es in dieser Hinsicht sogar den Platzhirschen Corel und Adobe überlegen.

Die Software ist sowohl als Download als auch als Packung erhältlich. Zur Zeit wird sie für knapp 72 Euro als Karton und 69,99 als Download z.B. bei AMAZON angeboten.

Weitere Infos:

https://www.serif.com/int/de/drawplus/

Ergebnis
Benutzeroberflächewww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.com
Das moderne, aufgeräumte Design weiß zu gefallen und lässt sich dem persönlichen Workflow anpassen. Alle Funktionen sind sinnvoll angeordnet.
Funktionsumfangwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.com
Das auf den Consumermarkt ausgerichtete Produkt hat umfangreiche Funktionen, die zudem noch einfach einzusetzen sind.
Besonderheitenwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.com
Neben den reinen Standardfunktionen beherrscht DrawPlus auch Animationen für den Webeinsatz, die in manch anderen Programmen einfach fehlen.
Overallwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.comwww.dyerware.com
Für unter 100 Euro wird ein Programm geboten, das in Funktionsumfang und Bedienerkomfort kaum Wünsche offen lässt. Wer ein günstiges, kommerzielles Vektorgrafikprogramm sucht, sollte hier zuschlagen.

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